Liebes Schicksal, ich sehe dich nicht.
Wo bist du tagein, tagaus. Von wo beobachtest du mich, wenn ich in der Welt umherstreife?
Wo lauerst du im Schatten, verborgen vor meinen Sinnen?
Ich schreite den Weg des Lebens entlang und stolpere über dich, verliere mich in dir und finde mich durch dich wieder. Du webst Schatten und Licht in mein Leben und bleibst doch stets im Verborgenen. Unvorhersehbar zum Sprung bereit, wie ein Löwe im dichten Gras.
Eine unzählige Anzahl von Abzweigungen kreuzt meinen Weg und ich entscheide mich stets für eine. Manchmal bewusst, manchmal stolpere ich in den Weg hinein und manchmal sehe ich nur einen einzigen Pfad im Tunnelblick meiner Existenz. Doch ich gehe, laufe, bewege mich fort vom Jetzt in das nächste Jetzt, hinein in den Moment, der da kommen mag.
Liebes Schicksal, freust du dich mich zu sehen? Geiferst du nach meiner Seele, immer im Gedanken daran, was du als nächstes in mein Leben werfen kannst? Genießt du meine Reaktionen auf deine Taten? Die bitteren Tränen, die sich in meinen Lachfalten sammeln und salzige Spuren in der Zeit hinterlassen? Lachst du insgeheim über mein Versagen?
Gefürchtetes Schicksal, bist du bereit? Ich sehe dich! Ich erkenne deinen Schatten, lauernd am Rand meiner Seele, wie du zum nächsten Sprung ausholst. ICH SEHE DICH!
Eine Gestalt schält sich aus dem schicksalhaften Umriss heraus, erhebt sich langsam und hebt seinen Blick gerade soweit, um mich anzusehen. So weit, bis mir vertraute Augen in meine Seele schauen. Ein Stechen, ein Klopfen, die Welt dreht sich. Dann ist alles ganz still.
Für einen Herzschlag scheint die Gestalt real, als würde sie atmen, warten, lauschen. Doch im nächsten Flimmern des Lichts verwischt sie, löst sich auf wie ein Gedanke, der nie zu Ende gedacht wurde. Zurück bleibt nur die Stille – und die Frage, ob dort wirklich jemand war oder nur der Schatten meiner eigenen Hoffnung.
Liebes Schicksal, ich hatte dich fast. Entkommen bist du in meiner Hast. Und so jage ich fortan dem Leben nach, folge Wegen, die das Schicksal sprach. In Gedanken selbst bestimmt, eine Frage leise glimmt.
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